Nils Altner: Gegenwärtigkeit und die lebenslange Freude am Lernen


Die Kindheit ist ein Land, ganz unabhängig von allem.
Das einzige Land, in dem es Könige gibt.
Warum in die Verbannung gehen?
Warum nicht älter und reifer werden in diesem Lande?
Rainer Maria Rilke

Die Fähigkeit, freiwillig die umherschweifende Aufmerksamkeit immer wieder zurückzubringen,
das ist die eigentliche Grundlage für Urteil, Charakter und Willen...
Eine Bildung, die diese Fähigkeit verbessern könnte, wäre Bildung schlechthin.
William James
Wie kommt es, dass aus neugierigen, offenen Kindern, die vor Lust am Entdecken und Lernen quietschen, gelangweilte und missmutige SchülerInnen werden? Wie kann es sein, dass in unserem Land jedes Jahr an die 80.000 Jugendliche die Schulen ohne Abschluss verlassen und dass etwa 140.000 Schülerinnen und Schüler zwar Abschlüsse erhalten, aber nur unzureichend lesen und schreiben können?[[#_edn3|[iii]]] Warum sind „unsere Universitäten und Schulen... zutiefst bedroht von der Gleichgültigkeit gegenüber den dort behandelten Inhalten“?[[#_edn4|[iv]]] Was bleibt uns zu tun, wenn folgende Aussage des Freiburger Psychiaters Joachim Bauer stimmt: „das Problem der Schule liegt... in der Unmöglichkeit, im Unterricht eine Situation herzustellen, die Lernen möglich macht und begünstigt“?[[#_edn5|[v]]] Welche Hoffnung können wir haben, wenn sich, wie Bauer in seiner „Freiburger Schulstudie“ feststellte, ein Großteil der „Lehrerinnen und Lehrer... in einer durch hohe Verausgabung, Erschöpfung und Resignation gekennzeichneten Situation, d.h. in einer Burnout-Konstellation“ befinden? Wie ist es zu erklären, dass viele Eltern kaum Zeit mit ihren Kindern verbringen und oft nur für wenige Minuten am Tag mit ihnen sprechen?[[#_edn6|[vi]]] Haben wir uns nichts zu sagen? Warum wollen wir nicht herausfinden, wie unsere Kinder die Welt erleben? Warum haben wir Erwachsenen so wenig Interesse an unseren Kindern und warum verlieren so viele Kinder im Laufe ihrer Schulzeit das Interesse am Fragen und Lernen?

Interesse und Lernfreude wachsen, wenn wir als Lernende in die Auswahl der Themen einbezogen werden und wenn Lernen mit konkret-sinnlichen Erfahrungen verbunden ist. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Die pädagogische Forschung weiß um diese Zusammenhänge seit wenigstens 100 Jahren und dennoch folgt die Unterrichtspraxis der meisten Regelschulen noch immer den restriktiven Grundsätzen des 19. Jahrhunderts. Um freudvoll zu lernen, möchten wir spannende Projekte verfolgen, verschiedene Lösungswege ausprobieren, die auch einmal nicht zum vorher bestimmten Ziel führen dürfen. Dabei ist es schön und bereichernd, gemeinsam mit anderen auf Entdeckung zu gehen. Wenn wir ein spannendes Projekt verfolgen, vergessen wir dabei die Zeit, so begeistert sind wir von unserem Tun. Nach einer dreiviertel Stunde diesen Prozess auf ein Klingelzeichen hin zu unterbrechen, um kurz darauf mit einem neuen Thema von vorn zu beginnen, scheint so widersinnig, dass dahinter eine Absicht zu vermuten ist.

Interesse an der Welt zu wecken und zu fördern, gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Lehrern und Eltern. Doch besonders in Deutschland scheinen die Lerninstitutionen wider besseren Wissens oft genau vom Gegenteil geprägt zu sein. So werden Kinder weiterhin jahrelang mit Themen konfrontiert, ohne dass Verbindungen zu ihrem eigenen Leben und ihren Interessen geschaffen werden. Lehren und Lernen beschränkt sich dabei fast ausschließlich auf sprachlich rationale und logisch mathematische Fähigkeiten. Die anderen Fähigkeiten wie die musikalisch rhythmische, die bildlich räumliche, die auf Körpergefühl und Bewegung bezogene oder auch emotionale und zwischenmenschliche Fähigkeiten werden nicht oder kaum angesprochen und geschult. Spätestens seit Howard Gardner, der Psychologie an der Harvard University lehrt, seine Untersuchungen zur Vielfalt der menschlichen Intelligenzen und Begabungen veröffentlichte, wissen wir, dass eine solch einseitig sprachlich-rationale Bildung vielen Menschen nicht entspricht.[[#_edn7|[vii]]] Doch selbst bei den Fähigkeiten, die in der Schule angesprochen und entwickelt werden, scheint die Struktur des Unterrichts darauf angelegt, die eigenen Interessen und die Kreativität der Lernenden und auch die der Lehrenden zu beschneiden oder ganz zu verhindern. Dabei kommt keine Freude auf. Der entstehende Frust muss sich entweder in dauernden gegenseitigen Sticheleien äußern, in Aggressivität entladen oder zu Rückzug und Depression führen. Und das trifft sowohl auf die Schüler als auch auf die Lehrer zu. Wer die oft unerfreuliche Stimmung in den Lehrerzimmern kennt, wird das bestätigen können.

Zu erklären ist dieser Missstand wirklich nur mit Kalkül. Was steckt dahinter, dass die Schulen so offensichtlich das Gegenteil von dem tun, was sie vorgeben erreichen zu wollen? In der Vergangenheit war das durchaus sinnvoll. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert und auch noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden von der Mehrzahl der Bevölkerung genau die Fähigkeiten erwartet, die unsere Schulen heute noch heimlich fördern: beschränkte eigene Interessen, geistige Abhängigkeit von vorgegebenen Meinungen und geringe Ambitionen für die Umsetzung eigener Ideen. Nur so ´funktionierten´ die Millionen von ArbeiterInnen und Angestellten in Industrie, Landwirtschaft, Verwaltung und Behörden. Sie taten, was sie sollten, ohne die ihnen vorgegebenen Arbeitsabläufe durch allzu viele eigene Ideen und Impulse zu stören.
Die Aufgabe der Schulen war es, diese bestehende „Ordnung“ zu sichern. Nur ist diese von außen vorgegebene Ordnung im 21. Jahrhundert immer weniger vorhanden und gefragt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter an den Fließbändern in den Fabriken werden zunehmend von automatisierten Fertigungsanlagen oder von KollegInnen in Asien und Osteuropa ersetzt, die sich zur Zeit noch mit einem Bruchteil des hiesigen Lohnes zufrieden geben. Das Heer der Frauen, die ihr Arbeitsleben tippend hinter Schreibmaschinen verbrachten, wurde zum großen Teil von Computern und Textverarbeitungsprogrammen ersetzt und auch Verwaltungsaufgaben werden zunehmend computerisiert. Ob wir wollen oder nicht, das Arbeitsbild, das durch möglichst fehlerfreies Abarbeiten vorgegebener Routinen bestimmt ist, stirbt aus. Und das ist auch gut so, weil wir damit alle herausgefordert sind, schöpferisch tätig zu werden. Der Philosoph Frithjof Bergmann gründet seine visionäre Vorstellung von der „Neuen Arbeit“ ganz in diesem Sinne auf der Befähigung der Menschen zu wissen und umzusetzen, was sie im Leben „wirklich, wirklich wollen“.[[#_edn1|[i]]] Problematisch ist, dass wir in den deutschen Schulen noch immer versuchen, junge Menschen auf jenes beinahe ausgestorbene Arbeitsleben vorzubereiten, indem wir ihre Kreativität und ihre eigenen Impulse einschränken oder ganz zu unterdrücken versuchen. Es spricht für die Lebendigkeit der Kinder und Jugendlichen und für ihr gutes Gespür für die Wirklichkeit, wenn sie sich das nicht gefallen lassen.
Die im 45-Minutentakt mit Klingelzeichen unterbrochene Vermittlung von Lerninhalten, das rein sprachlich-kognitiv angelegte Pauken ohne Bezug zur Neugier, den Interessen und Fähigkeiten der Kinder und Lehrer verhindern selbstbestimmtes Lernen. Dies war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus sinnvoll. Heute wollen und müssen wir lernen, wie wir unsere Fähigkeiten entdecken und entfalten können.

Es ist traurig aber wahr, dass für viele von uns Erwachsenen die Erfahrungen während der Schuljahre in ihrer Summe unser natürliches Interesse an der Welt, an einander und an den Kindern zu einem großen Teil begraben und die Freude am Lernen verschüttet haben. Dazu haben verletzte, verhärtete oder erschöpfte Lehrer beigetragen, die uns abgewertet und blamiert haben. Lehrpläne, in denen kein Raum war für Bezüge des Lernstoffs zu unserem wirklichen Leben haben ihr Übriges getan und Lehrmethoden, die darauf abzielten, unsere Interessen, Ideen und Bedürfnisse klein zu halten. Die gute Nachricht lautet jedoch, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, in unserem Inneren zu Archäologen in eigener Sache zu werden, um das Begrabene und Verschüttete wieder ans Licht zu bringen. Unser Leben mit Kindern kann dafür wichtige Impulse geben.

Mit jedem Kind, das in unser Leben tritt, erhalten wir eine neue wunderbare Chance zum Wiederentdecken unserer verlorenen Freude am Lernen. Und wenn wir diese Freude für uns selbst kultivieren, wird es uns ein Bedürfnis sein, für unsere Kinder zu Hause, im Kindergarten und in der Schule Lernbedingungen zu gestalten, die ihre Freude am Lernen respektieren, erhalten und fördern.

Dabei können wir uns an den Menschen orientieren, die uns selbst beim freudvollen Lernen unterstützt haben.

Vielleicht magst du in einem Gedankenexperiment im Schatz deiner Erinnerungen nachschauen, ob du in deiner Kindheit du das Glück hattest, Erwachsene um dich zu haben, die dich in deiner Entdeckerfreude und deinem Lernen bestätigt und gefördert haben.
Wer hat dir das Gefühl vermittelt, dass deine Interessen wichtig und spannend waren?
Wer hat mit dir die Welt entdeckt?
Wer hat deine Fragen ernst genommen und beantwortet?
Wer hat dir als Kind ehrlich und von Herzen Fragen gestellt?
Wer kommt dir ins Gedächtnis. Wer war das?
Wie hieß diese Person? Welche Eigenschaften hatte sie?
Was an ihr hat dir gefallen und gut getan?
Wie hat sie deine Interessen unterstützt und gefördert?
Kannst du sagen, warum dies so positiv für dich war?
Vielleicht hast du Mittel und Wege,
wie du heute diesen Schatz an Kinder in deinem Leben weiter geben kannst?
Wie heißen die Kinder?

Viele Lehrer, Lehrerinnen und Eltern engagieren sich bereits für fördernde Lernbedingungen. Vielleicht ist unsere Zeit heute die Phase in der Menschheitsgeschichte, in der der Anteil der den Kindern wirklich zugewandten Erwachsenen am größten ist. Wir verfügen über einen kostbaren Schatz an persönlichen und kollektiven Erfahrungen und an wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, was freudvolles und bedeutsames Lernen ermöglicht. Wir wissen, dass vor allem die Fähigkeit zur Gestaltung herzlicher, verantwortlicher und bedeutsamer Beziehungen zu unseren wichtigsten Fähigkeiten gehört, wenn es darum geht, Kinder bei einem Leben und Lernen zu unterstützen, das ihre Anlagen fördert und entwickeln hilft.

Auch wenn wir selbst als Kinder wenig Herzlichkeit und Zuwendung erfahren haben, können wir die Fähigkeit erlernen, unsere Beziehungen zu Kindern so zu gestalten, wie sie uns als Kindern gut getan hätten.

Gerade in pädagogischen Berufen entstehen im Spannungsfeld aus persönlichem Engagement, den oft restriktiven und veralteten Strukturen und den herausfordernden zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen gesundheitsschädigende Belastungen. Um trotzdem über Jahrzehnte freudvoll, leistungsfähig und gesund zu bleiben, bedarf es der Fähigkeiten von Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge. Und wo lässt sich die Fähigkeit zur bewussten und fürsorglichen Gestaltung unserer Lebens- und Lernräume und unserer Beziehungen besser üben und erlernen als im Experimentierraum der Schule? Eltern, Lehrerinnen und Lehrer aber auch alle anderen, die mit Kindern leben und arbeiten, sind eingeladen, für sich zu entdecken und auszuprobieren, wie sie den Alltag mit den Heranwachsenden zum Wohle der Kinder und auch zum eigenen Wohl gestalten können. Auch und gerade wenn eine solche Fürsorglichkeit bisher in unserem Leben kaum eine Rolle gespielt hat, sollten wir uns im Alltag Gestaltungs- und Experimentierräume dafür schaffen. Um wissen zu können, welche Entscheidungen dabei das Wohl aller Beteiligten fördern und welche nicht, ist unsere Fähigkeit zur Einfühlung gefragt, Einfühlung in uns selbst und in die Menschen um uns. Die Grundlage des Einfühlungsvermögens bildet das achtsame Gewahrsein, bei dem wir unsere Aufmerksamkeit ganz dem gegenwärtigen Moment widmen.

Die Beschäftigung mit Achtsamkeit erfreut sich seit einigen Jahren wachsenden Interesses in der Verhaltensmedizin sowie bei PsychologInnen und Pädagogen. Damit geht auch eine zunehmende Beschäftigung mit buddhistischem Gedankengut einher. In buddhistischen Traditionen wird die Kultivierung einer achtsamen Haltung als wichtige Voraussetzung für die spirituelle Entwicklung gelehrt. Zu diesem Zweck wurde über die Jahrhunderte eine Vielzahl von inneren Übungen und Wegen entwickelt, die uns heute zum Teil auch als Nicht-Buddhisten zur Verfügung stehen und die bereits in vielen therapeutischen Kontexten unterrichtet werden, z.B. für Menschen mit chronischen Schmerzen, mit Angst- und Panikstörungen, mit Depressionen sowie für PatientInnen mit stressbedingten Erkrankungen, mit Depressionen und Suchtverhalten.[[#_edn1|[i]]] Das Wiedererlernen einer kindlichen Offenheit und freundlichen Zugewandtheit zu sich selbst und zur Welt steht dabei im Mittelpunkt des therapeutischen Interesses.

Buddhistische Lehrer weisen gern auf die Bedeutsamkeit des „Anfängergeistes“ hin. Aus buddhistischer Sicht hält der achtsame Anfängergeist mehr Möglichkeiten des Erlebens, Begreifens und Handelns offen als der spezialisierte Geist des Experten, der so festgelegt und ver-schult ist, dass er nur einige wenige Optionen kennt.[[#_edn2|[ii]]] Auch in der christlichen Tradition finden sich Hinweise auf die Bedeutsamkeit einer Haltung, die der kindlich offenen Unbeschwertheit ähnelt. So sagt Jesus bekanntlich seinen Jüngern „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr das Himmelreich nicht empfangen." (Matth.18, 3). Doch ist ein Zurück im Prozess der persönlichen Entwicklung wirklich möglich und wünschenswert? Wollen wir als Erwachsene wirklich wieder wie Kinder werden? Oder geht es dem Meister in diesem Gleichnis vielleicht vielmehr um die bewusste Wiedererweckung wichtiger aber vergessener, verlernter und aberzogener Haltungen und Fähigkeiten, die uns als Kindern natürlicherweise zur Verfügung gestanden haben? Welche Haltungen und Fähigkeiten könnten das sein? Nach welchem Bild können wir uns richten? Bleiben wir bei der Bibel. In der Schöpfungsgeschichte (1, 27) heißt es „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn“. Was kann dieses „Schöpfen nach seinem Bilde“ für uns heute bedeuten? Die zentrale Qualität Gottes in dieser Geschichte ist seine Schöpferkraft. Die Aussage lässt sich also so verstehen, dass es die kreativen und gestaltenden Kräfte sind, die wir mit dem Göttlichen gemein haben. Und vielleicht sind es auch genau diese Schöpferkräfte, die wir in uns wecken, wenn wir auf neuer, weil bewusster Stufe, kindliche Qualitäten wie die Fähigkeit, ganz im gegenwärtigen Moment anwesend zu sein, in uns wachrufen und kultivieren.

Immer ist Jetzt
Ist es nicht ein unglaubliches Wunder, wie jeden Morgen ein neuer Tag beginnt? Im Weltraum dreht sich unser Erdteil ins Sonnenlicht und der Morgen begrüßt sich selbst mit Vogelgezwitscher und frischem, taunassen Gras. Die tagaktiven Lebewesen regen sich und die Nachtschwärmer legen sich zur Ruhe. Seit unbegreiflich langer Zeit ist das so. Kleine Kinder staunen oft über die Welt. Sie erleben jeden Tag Neues, begegnen Dingen, Tieren und Menschen, die sie nie zuvor gesehen haben. Die Frische dieser Erstbegegnungen macht den Zauber der Kindheit aus. Und diese Frische überträgt sich auf uns Erwachsene, wenn wir uns von diesem Staunen berühren lassen. Jeder Moment kann dann frisch und prall und voller Wunder sein. Wer mit Kindern lebt und arbeitet, hat täglich Möglichkeiten, diese Qualität zu genießen. Zugleich wissen wir aber auch, dass für die meisten von uns mit zunehmendem Alter die Entzauberung der Welt voranschreitet. Jede Erscheinung scheint irgendwann nur noch eine Wiederholung von oft schon Dagewesenem zu sein. Dann verliert auch der tägliche Morgen seinen Reiz und Zauber und verblasst zum Beginn einer weiteren Wiederholung langweiliger Routine und lästiger Pflichten. Langeweile, Ödnis und niedergedrückte Stimmung breiten sich da aus, wo vorher lebendige Begeisterung jeden neuen Tag zum Entdeckungsfest machten. Doch die Fähigkeit zur Gegenwärtigkeit ist ein Geschenk der Kinderzeit, das wir uns bis ins hohe Erwachsenenalter erhalten können. Das Geheimnis der Beibehaltung dieses Schatzes ein Leben lang liegt in der Kultivierung unserer Fähigkeit zur Anwesenheit im gegenwärtigen Moment. Wer seine Aufmerksamkeit auf diesen Moment jetzt und hier richtet und die Sinne hier und jetzt der Welt öffnet, wird vom Zauber der Gegenwärtigkeit so erfüllt, dass kaum Kapazität für Langweile oder schlechte Laune übrig bleiben wird. Dieses im Moment-anwesend-sein-Können birgt den Schlüssel zum Glück. Kinder leben oft ganz im Augenblick. Und diese Fähigkeit ist die Basis für lebenslanges freudvolles Lernen und schöpferisches Tun. Wir wecken sie, wenn wir heraustreten aus unseren gewohnten Mustern des Wahrnehmens, Fühlens, Denkens und Handelns. Das Reisen in unbekannte Gegenden kann z.B. Anlass für solch frisches weil ungewohntes Erleben sein.

Vielleicht kennst du eine solche Erfahrung
von Frische und vertrauter Neuheit von eigenen Reisen
oder auch von dem Moment,
wenn du deine Wohnung nach einer längeren Reise wieder betrittst.
Wie erlebst du solche Momente?
Was unterscheidet sie von anderen Erlebnissen?
Welche Möglichkeiten hast du,
diese Qualität in deinem Alltag zu erleben
und mit Anderen zu teilen?

Auszug aus:
Nils Altner: Achtsam mit Kindern leben.
Wie wir uns die Freude am Leben erhalten.
München: Kösel, 2009.


[[#_ednref1|[i]]] Kabat-Zinn, J. (1995). Heilsame Umwege. Meditative Achtsamkeit und Gesundung. München: Piper.
Heidenreich, T. & Michalak, J. (Hrsg.) (2004). Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie.
Tübingen: dgvt-verlag, Anderssen-Reuster, U. (Hrsg.) (2007). Achtsamkeit in Psychotherapie und Psychosomatik: Haltung und Methode. Stuttgart: Schattauer.
[[#_ednref2|[ii]]] Kabat-Zinn, J. (2005). Coming to our senses. New York: Hyperion, S. 85.
[[#_ednref1|[i]]] Bergmann, F. (2004). Neue Arbeit. Neue Kultur. Freiamt: Arbor Verlag.
[[#_ednref1|[i]]] Rilke, R.M. (1988). Lektüre für Minuten. Frankfurt a.M.: Insel Verlag, S. 28f.
[[#_ednref2|[ii]]] James,W. (1890). The Principles of Psychology. Cambridge: Harvard Univ. Press., S. 401.
[[#_ednref3|[iii]]] Otto, J. Schulabbrecher. in: DIE ZEIT, Nr. 45, 31.10.07, S. 79.
[[#_ednref4|[iv]]] Rumpf, H; Kranich, E-M. (2000). Welche Art von Wissen braucht der Lehrer? Ein Einspruch gegen landläufige Praxis. Stuttgart: Klett-Cotta.
[[#_ednref5|[v]]] Bauer, J. (2004). Die Freiburger Schulstudie. http://www.psychotherapie-prof-bauer.de/Schulstudie%20Freiburg%20_Kurzfassung.doc, Zugriff: 15.3.2007.
[[#_ednref6|[vi]]] In einer im Auftrag der UNICEF durchgeführten Studie zu den Lebensbedingungen der Kinder in 24 wohlhabenden Ländern belegt Deutschland bei der Frage an Teenager „Wie oft sprechen deine Eltern einfach so mit dir?“ den letzten Platz. An overview over child wellbeing in rich countires. (2007). Florence: Innocenti Research Center, S. 25, http://www.unicef-irc.org/publications/pdf/rc7_eng.pdf, Zugriff: 8.1.2008.
[[#_ednref7|[vii]]] Gardner, H. (2002). Intelligenzen. Die Vielfalt des menschlichen Geistes. Stuttgart: Klett-Cotta.